02.07.2010 - Kampermauer [Superdiagonale, UIAA VI-]

Da wir endlich ein Paar Halbseile angeschafft haben, sind wir früh morgens zum Hengstpass, genauer, zur Kampermauer gefahren, um die bereits länger geplant gewesene "Superdiagonale" (9SL: 4+, 5+, 5+, 5, 5-, 6-, 4, 5+, 5+) zu klettern. Positiv war, dass das Wetter sich von seiner besten Seite gezeigt hatte, Sonne mit wenigen Wolken, sowie stets angenehmem Wind und außerdem, dass wir den ganzen Aufenthalt über völlig alleine in der Route (und überhaupt, soweit wir feststellen konnten, an der Kampermauer) waren. Wird die "Superdiagonale" nicht mehr oft geklettert? Gibt es womöglich gute Gründe dafür?? Wir wissen es jetzt noch nicht genau…
Unterschiedlichen Zustiegsbeschreibungen, sowie der Skizze aus "Genussklettern Österreich Mitte" folgend, haben wir den Einstieg praktisch umgehend gefunden, allerdings ist die Beschreibung des erwähnten Führers kurzerhand abgeschnitten und endet beim Jausenstein, von wo es jedoch noch einige Meter und ein paar Minuten sind. Der Einstieg befindet sich bei einem Klettersteig und führt über dunkle Platten, wo sich zeigt, das die Bewertungen zwar nicht geschenkt sind, aber durchwegs anderen anspruchsvolleren Gegenden entsprechen. Dazu gesellt sich noch, dass so gut wie jede Seillänge unter einem zusätzlichen Manko leidet: In der Einstiegslänge bricht jeder zweite, positive Griff unter den Händen, mehrere Seillängen, v.a. die Schlüsselstelle und die Länge davor sind triefnass (in der Schlüssellänge scheint anscheinend vorgesehen zu sein, dass man in den Riss greift, was jedoch keine Option ist, wenn sich darin bereits ein grünes, schleimiges Minibiotop gebildet hat), leichtes Gelände ist oft schotterig oder erdig (mitunter eine perfekte Grundlage für Steinbombardement nachfolgender Kletterer) und in Anbetracht der unsicheren Bodenverhältnisse schlecht abgesichert, die Kamine oben sind großflächig abgespeckt bis blankpoliert und bieten soviel Grip wie Fliesen. Davon abgesehen gefiel uns auch die Linienführung nicht. Wie man ausserdem zu der Beschreibung "griffig" und "henkelig" gelangt, ist uns völlig unklar. Sollte die einschlägige Führerliteratur jemals recht gehabt haben und die "Superdiagonale" war einst tatsächlich henkelig, so muss sie einstweilig vom Henkeldieb mit dem großen Sammelsack heimgesucht worden sein…
Auf der Habenseite fanden wir lediglich die gut eingerichteten Standplätze und Abseilstände, die anständige Länge (welche bei einer schöneren Route positiv auffiele…), sowie die schöne Umgebung. Im Vergleich mit den heuer bisher gekletterten und ausnahmslos sehr empfehlenswerten Routen fällt die "Superdiagonale" jedenfalls deutlich ab und in Anbetracht der meist wirklich schlechten Felsqualität und Abnutzung wird es wahrscheinlich auch unser erster und letzter Besuch der Kampermauer gewesen sein.






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